Die Jahrestagungen

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Wir führen jährlich eine interdisziplinäre Wochenendtagung durch, auf der über ein Schwerpunkt-Thema referiert und diskutiert wird. Außerdem finden unregelmäßig regionale Gesprächskreise statt.


Das Thema der 51. Jahrestagung

28. - 29. April 2012 in Köln

»Von Schiffen und Fischen. Zeichen und Symbole im Lebensraum Wasser«





Das Thema der 50. Jahrestagung am 25. - 27. März 2011:

»Symbole und Zeichen domestizierter Natur II. – Sakralbau & Garten«

Symbolon_Tagung2011.pdf




Die Beiträge zur Tagung 2011:



Dr. Werner Heinz (Sindelfingen):


Das Haus Gottes


Das „Haus Gottes“ findet sich auf recht verschiedenen Bedeutungsebenen. Im Alten Ägypten galt der Pharao als vom obersten Gott gezeugtes „großes Haus“. Bei den Hebräern sah man das gebaute „Haus Gottes“ als Wohnstätte für den Namen Gottes, während seine Wohnung im Himmel lokalisiert wurde. Den frühen Christen hingegen galt das Haus Christi resp. Gottes als Volk, als Familie Gottes. Gott selber wurde zum Baumeister, der in der Apokalypse exakte Daten zum Haus Gottes auf Erden, zum Himmlischen Jerusalem also, mitteilte.




Prof. Dr. Matthias Benad (Wuppertal / Bethel):


„Ein St. Peter der wahren evangelischen Religion“ – Die Frauenkirche in Dresden als Symbol von Transzendenz und Gemeinsinn
 
Das Zitat im Titel signalisiert, dass die Ersterbauer der steinernen Glocke im Dresdner Elbbogen (1726-1743) auf den berühmtesten Kuppelbau Roms Bezug nahmen, indem sie sich demonstrativ von seiner Symbolik absetzten. Wie und warum das geschah, wird ebenso behandelt wie Wandlungen im Symbolgehalt infolge von Zerstörung und Wiederaufbau.



Prof. Dr. Peter Dinzelbacher (Wien / Salzburg):


Die Symbolik des Wilden und des Gezähmten im Mittelalter 


Einige spezifisch mittelalterliche Formen der Opposition von Kultur und Natur werden in diesem Beitrag vorgeführt. Ausgehend von den materiellen Gegebenheiten wie Urwald - Rodungsland - Garten stehen die bewusste und unbewusste Bewertung der Umwelt nach den genannten Kategorien sowie die zivilisatorische Haltung in jener Epoche im Mittelpunkt. Sie manifestiert sich vielfach sowohl im religiösen als auch im profanen Bereich (z.B. Zähmung des Körpers im Kloster und am Hof; Zähmung wilder Tiere in der fürstlichen Menagerie). Dem stehen dialektisch Strömungen zur Wiedereinführung der Natur entgegen, z.B. in der gotischen Kunst die Einbindung pflanzlichen und animalischen Lebens in die Architektur oder in manchen Sekten chaotische Promiskuität anstelle von Keuschheit und geregelten Beziehungen oder allgemeiner die Konterkarierung des christlichen Lebens an bestimmten Brauchtumsterminen.




Dr. Ulrich Fritsche (Schmallenberg):


Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“: Einführung in sein Symbolsystem


Der spätmittelalterliche Maler Bosch gilt als Meister des Phantastischen. Seine geheimnisvollen Werke sind allerdings tief durchdacht. Die faszinierenden Motive lassen sich symbolisch verstehen, und ihre Verknüpfung führt zu erstaunlichen Folgerungen. Boschs Weltanschauung wich in mehreren Punkten vom Hauptstrom des Christentums ab. Anhand des „Gartens der Lüste“ werden Grundzüge seines Symbolsystems abgeleitet, das neuplatonisch inspiriert ist. Das Gemälde hat universalen Charakter, alles ist auf Menschen bezogen. Pflanzen veranschaulichen Entwicklungsvorgänge; Tiere charakterisieren Geist, Seele, Körper; die Menschen selbst führen kausale Beziehungen vor Augen. „Seele“ wird als vermittelndes Prinzip zwischen Geist und Körper begriffen.




Dr. Anna Ananieva (Mainz):


Verwandlungen zwischen Weltordnung und Poesie:

Literarische Figurationen des Gartensymbols im europäischen Kontext


Die Wandlungsfähigkeit der literarischen Verwendung des Gartensymbols geht zurück auf kulturhistorische Veränderungen in der Funktionsweise des Gartens, seiner äußeren Gestalt sowie in der Auffassung seiner Stellung in dem jeweils dominanten Natur- und Kulturkonzept. Neben der Aktualisierung des Symbolgehalts in dem jeweiligen kulturhistorischen Horizont stellt die Literatur Bezüge zu der eigenen Tradition her: Dem ständigen Wandel eines konkreten Gartens steht damit eine ausgeprägte und beständige Topik gegenüber (locus amoenus, hortus conclusus, locus terribilis usw.).

Die Transformationen des Gartensymbols zeichnen sich daher durch ein komplexes interkulturelles und intertextuelles Wechselspiel aus. Die in Folge entstehende Dynamik der Symbolbildung bringt in der historischen Perspektive nicht nur zahlreiche, sondern sogar entgegengesetzte Bedeutungen des Gartens hervor. Der Vortrag schildert die Bandbreite literarischer Figurationen des Gartensymbols und geht einigen herausragenden Beispielen europäischer Literaturproduktion vertiefend nach.




Prof. Dr. Hermann Jung (Neckargemünd):


40 Jahre Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e.V. –

50 Jahre Jahrbuch SYMBOLON – 60 Jahre Diskussion um  den Symbolbegriff.  Rückblick und Ausblick 


Der Schweizer Symbolforscher Julius Schwabe, Sohn des Verlegers Benno Schwabe, hatte 1955 mit der Gründung einer „Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung“, die 1970 in die Rechtsform eines eingetragenen Vereins überführt wurde, wohl kaum die mentalitätsgeschichtliche Ausrichtung der Eranos-Tagungen als „Vorbild“ im Sinn, sondern wollte eher die vielfältigen Strömungen in einer festen Institution auf wissenschaftlich verlässliche Grundlagen stellen. Er initiierte seit 1955 jährlich stattfindende Symboliker-Tagungen und veröffentlichte ab 1960 ihre Ergebnisse im SYMBOLON. Jahrbuch für Symbolforschung.  Die diesjährige 50. Jahrestagung gibt Anlass, Intention und historische Entwicklung der Gesellschaft in den Blick zu nehmen und zugleich die Diskussion um den Symbolbegriff erneut aufzugreifen.   




Prof. Dr. Bärbel Beinhauer-Köhler (Marburg):


Die Moschee als kultivierter Erfahrungsraum zwischen „Haus“ und „Garten“                           


Sakralräume bilden eingegrenzte Räume gegenüber ihrer Umwelt. Sie sind nicht selten zudem Abbild von Vorstellungen vom Kosmos. Für Moscheen gilt dies zunächst in der Art und Weise, dass sie mit der Richtung der Qibla-Wand nach Mekka Teil einer „religiösen Landschaft“ sind. Dabei stehen ‚Haus’ und umgebende ‚Natur’ nicht in einem Verhältnis von ‚Kosmos’ und ‚Chaos’, sondern Moscheen treten in Erscheinung als 
konstruierte architektonische Räume mit Reminiszenzen an das Haus, z.B. in der Ka'ba als ‚Haus Gottes’, sowie an den Garten: in Form floralen Dekors, das Paradiesassoziationen weckt, oder in Form von Geländebezeichnungen, wie beim ‚Garten Muhammads’ oder dem ‚Garten Fatimas’ in der Prophetenmoschee in Medina. Haus und Garten sind Bestandteil einer auf Allah verweisenden Ordnung.




Axel Voss (Essen):


Der phantastische Garten - die Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen in der Landschaft.


Immer mehr dem unberechenbar Magischen in einer domestizierten Landschaft beraubt, ließen sich Träumer und Idealisten vergangener Zeiten sonderbare Gärten und Parkanlagen errichten, in denen sie in phantastische Sphären tauchten. Seit der Renaissance finden sich hier Figuren antiker Mysterien, deren symbolisch-allegorischer Einfluss sich in initiarischer Gartengestaltung bis ins 19. Jh. fortführt. Neben kontemplativen Labyrinthen und vergnüglichen Irrgärten zählen u.a. der Sacro Bosco bei Bomazo, das umbrische Anwesen La Scarzuola oder der Tarot-Garten der Niki de Saint Phalle als außergewöhnliche Beispiele einer Garten- und Architekturlandschaft zwischen mythologischen Fabelwesen und geheimnisvoller Symbolik. Ein Tanz zwischen dem Heiligen und dem Profanen, zwischen dem Surrealen und der Ursprünglichkeit, der immer noch eine verzaubernde Faszination auf Besucher auslöst. Der Vortrag stellt diese „Anderswelten“ vor und hinterfragt die Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen in der Landschaft.







Die Themen der vergangenen Jahrestagungen: 

 

28.-30. April 1995  

Symbolik des Wassers, der Quelle und des Brunnens 


17.-19. Mai 1996  

Engel und Dämonen 


4.-6. April 1997  

Weltuntergang und Erlösung 


17.-19. April 1998  

Opfer und Ritus 


16.-18.April 1999  

Kunst und Symbol I 


April 2000  

Kunst und Symbol II 


23.-25. März 2001  

Naturwissenschaft und Symbole 


26.-27. April 2002  

Symbole des Alltags, Alltag der Symbole 


2.-4. Mai 2003  

Symbolik und Religion 


21.-23. Mai 2004  

Symbole der Wandlung - Wandel der Symbole 


21.-22. Mai 2005 

Symbole des Übergangs 


13.-14. Mai 2006 

Wesen anderer Sphären - Zur Symbolik von Engeln, Elfen, Höllenwesen, Fantasy-Gestalten... 


28.-29. April 2007 

Die Zahlen - Symbolik, Mythos, Magie 


8. März 2008 

Mythen, Symbolik und Riten der Landschaft 


20.-22. März 2009 

Symbole von Trauer und Hoffnung 


24.-25. April 2010 

Symbole & Zeichen domestizierter Natur I. - Das Haus